Red Bull X-Alps

Das Alpen-Abenteuer

Photocredit: (c) Dean Treml/Red Bull Content Pool/Christian Maurer launching off Mont Blanc for the final leg to Monaco

818 Kilometer Luftlinie sind es von Salzburg nach Monaco. Bei den X-Alps versuchen 30 Athleten diese Strecke schnellstmöglichst zurückzulegen. Zur Verfügung stehen ihnen allerdings nur ihre Füße und ein Gleitschirm. Red Bull, das den Extremsportwettbewerb sponsert, bezeichnet die X-Alps als “das spektakulärste Abenteuer-Rennen der Welt“ – zu Recht wahrscheinlich, denn nicht nur die körperlichen Strapazen der Alpenüberquerung sind brutal, trotz Erschöpfung müssen sich die Sportler auch aufs Fliegen konzentrieren.

Der einzige deutsche Teilnehmer dieses Jahr war Michael Gebert. Genau der richtige Mann also, um ihn nach Wolken, Motivation und Abenteuern zu fragen.

Du hast ja schon einige X-Alps-Erfahrung und seit 2005 warst du jedes Mal dabei. (Der Wettbewerb findet übrigens nur alle zwei Jahre statt!) Scheint ja trotzdem eine Art Sucht zu sein. Warum tut man sich so was an?
Ich würde es eher als Reiz und Herausforderung bezeichnen, verbunden mit einem Abenteuer, das einen mental und physisch zu 100 Prozent fordert. Das Ganze findet in einer extrem spektakulären Arena, den Alpen, statt und ich muss schauen, wie ich mich nur mit meiner eigenen Kraft und der Hilfe meines Schirmes beziehungsweise der Natur dieser Aufgabe stelle. Außerdem finde ich es immer wieder verblüffend, zu was man fähig sein kann, wenn man es will.

Wie bereitest du dich auf die X-Alps vor?
Die Vorbereitung nimmt mittlerweile einige Zeit in Anspruch, richtig auf den Wettbewerb fokussiert bin ich spätestens ein halbes Jahr vorher. Dabei spielt natürlich die physische Vorbereitung eine große Rolle, anhand eines ausgearbeiteten Trainingsplanes versuche ich auf den Punkt fit zu sein. Sehr wichtig ist auch die mentale Vorbereitung, zum Beispiel kann man versuchen sich mit verschiedenen Übungen mental bestmöglich einzustellen.

Welche Rolle spielten die Wolken bei den X-Alps 2011 für dich?
Ich würde sagen, die Wolken können dein Feind und dein Freund sein, auf jeden Fall spielen sie eine ganz wichtige Rolle. Haben wir gutes Flugwetter und die richtigen Wolken, so helfen sie mir bei der Suche nach Thermik und Aufwind. Liegen die Wolken an einem Berg auf und ich kann nicht starten, beeinflussen sie mich und mein Vorwärtskommen. Wenn es regnet, kann ich mich drauf einstellen zu laufen, da ist dann auch alles klar.

Während des Rennens bist du fast 1000 Kilometer weit gelaufen, mehr als jeder andere. Christian (“Chrigel”) Maurer hingegen hat sich lieber von seinem Schirm tragen lassen als ihn zu tragen und damit einen solchen Vorsprung herausgeholt, dass in den 24 Stunden nach seiner Ankunft im Ziel (danach wird das Rennen beendet), es nur ein weiterer Athlet bis nach Monaco schaffte. Wie ist das möglich, wenn doch alle bei gleichen Bedingungen starten?
Es sind tausend Faktoren, die während des Rennens eine Rolle spielen. Chrigel ging mit einem Flug am Großglockner ein sehr hohes Risiko ein und konnte sich damit vom Feld etwas absetzen. Dadurch konnte er bessere Wetterbedingungen nutzen und “flog” uns quasi davon. Natürlich muss man auch anerkennen, dass er wohl im Moment einer der perfektesten Piloten ist und eine ebenso akribische, wie perfekte Vorbereitung an den Tag legte.

Die immer größer werdende Popularität der X-Alps hängt auch mit dem Live-Tracking zusammen: die genau Position der einzelnen Teilnehmer kann per GPS im Internet verfolgt werden. Wie fühlt es sich an, ständig und überall geortet werden zu können?
Diese Tatsache, dass ständig jeder weiß, wo man sich gerade befindet, kann einen einerseits motivieren, andererseits ist das bei mir oft einfach ausgeblendet und ich fühle mich komplett alleine in der Bergwelt, auch wenn vielleicht gerade tausende von Leuten wissen, wo ich stecke. Ein weiterer positiver Faktor ist natürlich auch die Sicherheit, wenn was passieren sollte, wird man auch sofort gefunden.

Sind die X-Alps ein Abenteuer für dich?
Ich denke ein echtes Abenteuer ist für mich, wenn ich mich an etwas relativ Unbekanntes wage und ich noch nicht genau weiß, was mich erwartet. Wahrscheinlich spielt auch der “Gefahrengrad” eine gewisse Rolle, ob man es als echtes Abenteuer erlebt oder empfindet.
Darüber hinaus kann man aber auch in jeder Lebenssituation Abenteuer erleben, ich denke, dazu muss man nicht unbedingt auf den höchsten Berg der Welt steigen oder den längsten Gleitschirmflug absolvieren.

Ok, eine letzte Frage: Outdoor-Unternehmen setzten im letzten Jahr elf Milliarden Euro allein in Deutschland um. Was hältst du vom Outdoor-Boom und hat er irgendwelche Auswirkungen auf dich persönlich?
Es ist natürlich schön wenn die Leute die Natur wieder entdecken, allerdings sollte man ihr auch immer mit einem gewissen Respekt und Vorsicht begegnen. In vielen Fällen behält die einfach immer noch die Oberhand, zum Glück. Traurig macht es mich manchmal zu sehen, wie der Mensch fähig ist seine Umwelt zu zerstören. Allerdings ist das eine endlose Diskussion, da man sich da selber kaum ausnehmen kann und eigentlich nicht genau weiß, wo man anfangen soll.
Für mich als Sportler, ist es natürlich von Vorteil wenn sich mehr Leute für Outdoor Sport interessieren, da ein Großteil meiner Unternehmungen mit Sponsorengeldern finanziert wird und es für alle Beteiligten natürlich interessanter ist, wenn sich das ganze Geschehen nicht nur am Rande abspielt.

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